Matriarchat im Katzenstaat
Quelle: Geliebte Katze, Ausgabe 7/ 2004, S. 4
Die letzten 25 Jahre intensiver Katzenforschung- und beobachtung haben es ans Licht gebracht: Die
Hauskatze ist nicht die Einzelgängerin, für die man sie früher hielt, sondern ein äußerst soziales Wesen,
das sich gerne in der Gesellschaft von Artgenossen aufhält.
Die Wissenschaftler von der Universität von Georgia stellen sogar die These auf, dass nicht die
Gemeinschaft mit anderen Katzen unnatürlich und aufgezwungen ist, sondern das Single- Dasein. Es
stellt, so die Forscher, nur eine Notlösung bei Nahrungsknappheit dar. Sobald genügend Futter für alle Tiere
vorhanden ist, organisieren sich die Katzen in Kolonien.
Kern des Katzenstaates ist meist eine Mutterkatze mit Nachwuchs. Während die jungen Kater früher oder später
auf Wanderschaft gehen, bleiben die weiblichen Tiere häufig bei der Mutter. Es bildet sich ein
Weiberstaat, ein Matriarchat, in dem die Männer zwar willkommen sind, aber letztendlich nicht viel zu sagen haben.
Die Mitglieder einer Kolonie erkennen einander. Auf fremde Katzen reagieren sie reserviert bis aggressiv.
Doch wenn eine Fremde hartnäckig ist und diplomatisch vorgeht, bestehen gute Chancen, dass sie aufgenommen wird.
Vorausgesetzt immer, dass genügend Futter und Liegeplätze vorhanden sind.
Demokratie gibt es in keiner Katzengesellschaft, sie sind durchweg hierarchisch geordnet. Während die Rangordnung in
kleinen Gruppen streng festgelegt ist, ist sie in größeren Gruppen durchaus flexibel: Ranghohe Katzen
verzichten hin und wieder auf ihre Privilegien. Rangniedere Tiere schließen von Zeit zu Zeit Bündnisse,
um ihren Willen gegen eine Chefin durchzusetzen. Auch individuelle Freundschaften findet man.
Alle Mitglieder einer Katzenkolonie profitieren. Koloniekater z.B. haben bessere Chancen bei den Damen
der Gruppe als fremde Kater.
Eindrucksvoll ist die gegenseitige Unterstützung bei der Aufzucht
der Jungen. So konnten verschiedene Forscher beobachten, wie weibliche Gruppenmitglieder säugenden Mutterkatzen
Futter brachten, beim Umzug der Kätzchen halfen und sich als Babysitter engagierten. Sogar "Hebammendienste"
leisteten einige der Samtpfoten: Sie reinigten und massierten den Damm der Gebärenden, befreiten die Neugeborenen
von den Eihäuten und leckten sie trocken.